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-Kriminell spannend-
Verena Wilmes

Nats Briefe - Teil 2

-Wann bekommt Nat endlich Antwort auf seine Briefe? Und was möchte er sagen?-
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Liebes Kollegenschwein,
so langsam nervt mich dein Verhalten wirklich. Du hast auf nichts reagiert, was ich dir ge­schrieben habe. Aber so ist die Welt wohl in der wir leben. Dabei habe ich vorhin noch versucht dir zu helfen! Du solltest mehr Mitspracherecht bei diesen Entscheidungen fordern und auch ein eigenes Büro bekommen. Die entscheiden sonst alles über deinen Kopf hinweg und ich erkenne das wenigstens im Vergleich zu den anderen. Ich würde das nicht mit mir machen lassen. Und ich werde auch nicht mehr mit mir machen lassen was du tust! Du hast gar nichts zu meinen Briefen gesagt! Ich glaube, es interessiert dich gar nicht, was bei mir so los ist.
Aber bitte, wie du meinst, dann werde ich eben auch nicht mehr fragen, wie deine Wochenenden so waren. Anscheinend interessiert es dich auch nicht mehr, wie hart ich arbeite. Du hast nichts zu dem Abheftesystem gesagt und dazu, was ich alles für die Allgemeinheit bei uns tue. Wenn du nur zum Arbeiten kommst, dann bitte, aber ich bin bemüht, dass die Dinge auch funktionieren. Ich bin da eben nicht so egoistisch wie du. Du machst nie einen Schritt zu viel!
Mir wurden jetzt and noch zwei Trainees aufs Auge gedrückt. Ich weiß echt nicht, wie ich das alles schaffen soll! Und alles was ich wollte, war mit dir Sport machen und über das Buch zu reden, dass du empfohlen hast. Weißt du denn nicht, wie gut es tut, mit dir zu reden? Du bringst mich immer gut runter. Und ich kann dir mit meiner Erfahrung auch sehr gut helfen. Ich bin schließlich ein paar Jahre älter als du. Alles was dir jetzt in den Schoß fällt war meine harte Arbeit. Und ich dachte es interessiert dich. Wenn du glaubst, ich stelle mich beim nächsten Kongress wieder hin und zieh mir einen großen Vortrag aus dem Ärmel, dann hast du dich geschnitten. Das kannst schön du tun. Du bist doch so erfolgreich. Ich habe es end­gültig satt.
Macht euren Scheiß alleine!
Lieber Nat,
ich habe deine Briefe gelesen, aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.
Was willst du von mir hören? Dass ich es genieße, wenn du dich montags ungefragt an meinen Schreibtisch setzt, deinen Kaffee schlürfst und mir Geschichten von deinem Wochenende aufdrängst? Es freut mich ja, wenn du schöne Dinge unternimmst, aber findest du nicht auch, dass unsere Leben viel zu verschieden sind, als dass ich dazu etwas sagen könnte? Außerdem arbeite ich.
Ich glaube, dir fällt gar nicht auf, wie oft du dich immer und immer wieder über genau dieselben Sachen beim Chef beschwerst. Um ganz ehrlich zu sein, ich kann es nicht mehr hören. Vielleicht ist er schwierig, aber vielleicht musst du auch nur erwachsen werden und lernen mit ihm zu reden oder selbstsicherer werden. Manchmal fühle ich mich wie dein Mülleimer und Therapeut in einem. Du brauchst mehr Bestätigung als jeder Mensch den ich kenne. Und das jeden Tag aufs Neue. Egal, wie oft ich dir etwas sage, am nächsten Tag möchtest du es wieder hören. Es freut mich ja, wenn ich dir helfen kann, aber all die Bestätigung, die du dir wünschst kann dir vielleicht nur deine Mutter geben.
Es ist wirklich anstrengend dein Cheerleader zu sein. Vor allem, weil du mir nie zuhörst. Ist dir in den Sinn gekommen, dass bei mir auch Dinge schieflaufen? Dinge, die ich dir nicht einmal mitteilen kann, weil alle deine Synapsen mit deinem eingebildeten übertriebenen Drama besetzt sind. Du redest und redest, als würdest du mich nicht hören. Deshalb habe ich aufgehört zu reden. Ich werde dir auch nicht mehr sagen, dass du dich auf die meiner Meinung nach, falschen Werte und Dinge konzentrierst. Mitt­lerweile denke ich, du verstehst es einfach nicht.
Also ja, es ist mir egal, was dich mal wieder über alle Maßen belastet. Du lebst für das Beschweren und Jammern. Aber ich ertrage es nicht mehr. Es ist nichts Persönliches, aber ich kann es nicht mehr hören. Wenn du irgendwann einmal auf der Suche nach Lösungen sein solltest, dann versuche ich gerne dir zu helfen, doch solange du nur deinen Frust loswerden und gelobt werden willst, such dir jemand anderen. Ich hoffe du verstehst das.
PS: Mein Erfolg beruht auf harter Arbeit und nicht auf Gluck. So verbittert du auch bist, akzeptiere es. Wenn du das auch willst, krieg deinen Arsch hoch. 
Being optimistic is a game changer
When we believe, heaven is not empty. When we believe, we give ourselves a chance. When we believe, everything is possible.
Yet, we ask ourselves if we have permission to believe, to believe that something good can happen to us. We hesitate because before we even dare to believe — before we start moving an inch — we already fear disappointment. We call our doubts justified or we call ourselves realists, but the truth is, we think believing in something or someone — or simply believing — is a risk.
There are few things more tragic than that.
We tell ourselves that we used to believe, that we did everything right and still lost in the end. We were deeply disappointed, and we want to learn from our mistakes, not repeat them. Whatever happened, being optimistic hurt at one point. Besides, we do not think we can be optimists. Life taught us differently and yes, we have the right to go through life as we like.
However, maybe we only need to be reminded that we are not on this earth to constantly worry, prepare for a possible future crisis, mistrust everything and everyone, and adjust our expectations. Maybe life is not about seeing the negative as early as possible to avoid disappointment, but about being allowed to experience life with ups and downs that are totally up to our interpretation. 
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Verena Wilmes

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